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Mittwoch, 18. Januar 2012

Da versucht frau

... ökologisch verantwortlich zu leben, und der Gatte schleppt eine Stiege Getränkebüchsen an. Da bleibt einem doch glatt die Spucke weg.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Alles Bio

... oder wo unsere Schokolade herkommt:

Wusstet ihr, dass 99% der Schokolade mit Kakao aus Kindersklavenarbeit hergestellt wird? Und das mit dem Wissen der Süßwarenindustrie.
Neulich saß ich im ruhigen Nachtdienst und bekam im Fernsehen den Beitrag (bitte entsprechenden Link öffnen) zu sehen. Ich war wirklich schockiert, denn bis dato habe ich nichts davon gewusst. Es ist ja nicht allein, dass es eben Kinderarbeit ist, sondern es sind Kindersklaven. Geraubte oder weggelockte Kinder, die für ca. 230 Euro von Kinderhändlern an die Schokoladenfarmen verkauft wurden und dort unter erbärmlichen Bedingungen arbeiten. Kinder zwischen 8 und 14 Jahren. ...
Ich habe mich dann weiter erkundigt und eigentlich ist man nur bei Schokolade mit dem FairTrade-Siegel halbwegs sicher, dass keine Kinderarbeit dran hängt.
Im Klartext heißt das, nur Schokolade, Kakao und entsprechende Produkte zu kaufen, die das entsprechende Siegel hat. 
Mir ist es nach den Bildern, die sich in mein Hirn gebrannt haben, sehr schwer gefallen, die Packung Kn.ppers in meinen Einkaufswagen zu packen, die meine Kinder so lieben. Es war wohl das letzte Mal. Und jedes mal, wenn ich in im Haushalt vorhandene Schokoladenreste beiße, dann habe ich ein schlechtes Gewissen. Trotzdem werde ich sie aufbrauchen, denn wegschmeißen ändert auch nichts daran, dass ich sie schon bezahlt habe.
Jetzt werde ich mich auf die Suche nach fairem Backkakao machen, denn ganz ohne Schokoladenkuchen kann ich mir die Welt nicht vorstellen. (edit: hier bin ich fündig geworden)

(Faire Produkte, das ist nochmal ein eigenes Thema. Heute belasse ich es beim Kakao.)

Dienstag, 18. Oktober 2011

(2) Alles Bio

... oder was?
(Weiter gehts:)

Wieder zu Hause vom Urlaub hab ich dann mal das Internet durchforstet, denn hier im Osten erschien es mir ungleich schwerer so zu leben, wie ich mir das vorstellte. Außerdem war da ja noch immer die Vorstellung, dass ich mir "nur" Bio gar nicht leisten kann. Ich meine, ja klar, wenn ich weiter so leben wollte wie bisher, dann kann ich mir Bio nicht leisten. Dazu musste eine Wende, auch in meinem Kühlschrank her.
Als Erstes las ich das Buch "Arm aber Bio", siehe auch hier, und war begeistert. Die Autorin hatte im Selbstversuch getestet, ob sie es mit dem Hartz 4 Regelsatz schafft, nur Bio-Essen auf den Tisch zu bringen. Und es ist machbar. Das Geheimnis heißt regional und jahreszeitengerecht. Und das ist ja genau das, was ich wollte.
Ich möchte hier kurz einschieben, warum mir jahreszeitengerecht so wichtig ist.
Zu DDR-Zeiten waren Allergien kaum ein Problem. Wir hatten jede Menge Atemwegsprobleme, was bei der schlechten Luft nicht verwunderlich war. Aber kaum Allergien. Etwa 10 Jahre nach der Wende war das Niveau angeglichen. Das Gebiet der DDR wurde unfreiwillig zum Testgebiet der Allergologen. Und was hat sich geändert? Meine Theorie ist: die Nahrung! Es gibt alles zu jeder Zeit und mit massig Zusatzstoffen. Farben, Aromen ... und weißdergeier was noch. Wenn ich meine Mütter über Beikost aufkläre, dann ist meine Allergieprävention nicht der Verzicht auf Allergene (man hat festgestellt, dass das wenig Sinn macht und zu DDR-Zeiten bekamen die Kinder zu allererst einen Zwiebackbrei mit Weizen, Ei und Mich - alles Hauptallergene), sondern das das Zufüttern von Dingen, die es zu der Jahreszeit gerade gibt oder die sich gut lagern lassen. Das ist im Winter nicht viel, das stimmt wohl, aber ich bin mir sicher, dass es so gut funktioniert. Natürlich sollte man noch auf andere Dinge achten, aber das ist hier nicht das Thema.
Zurück zum Bio-Essen.
Da ich nicht ganz auf Fleisch verzichten möchte (ja, ich sehe die Tiere vor mir und doch kann ich Fleisch und Tier in meinem Kopf auseinanderhalten) sollte es aber Bio-Fleisch sein oder Fleisch von Tieren aus artgerechter Tierhaltung. Wie ich vermutet hatte, war das Angebot nicht grad reich gesät. Aber ich bin fündig geworden und es gibt Wurst und Fleisch nur noch von dort. Da das Kaufen aber nun ungleich schwieriger ist und sich frisch gekaufte Wurst einfach nicht lang hält und frisch gekauftes Fleisch schnell verarbeitet werden muss (weil nicht unter Schutzatmosphäre verpackt) gibt es Wurst und Fleisch nur noch selten. Wobei auch das nicht stimmt. Es gibt es nicht mehr im Überfluss. An Wurst hab ich das ein oder andere im Glas da, in der Regel Bio-Wurst. Unser Bio-Laden um die Ecke hat Bio-Wurst, da hab ich vor dem Wochenende mal Bierschinken gekauft., worüber meine Kids ganz glücklich waren. Sicher ist es im Moment der Kaufens teurer, aber da ich keine Wurstvorräte mehr horte, wird auch viel weniger schlecht und ich muss viel weniger wegschmeißen. Der Preis dafür ist, dass ich erst wieder nachkaufen muss, wenn es alle ist. Das heißt, es gibt eben auch mal nichts, wenn ich das nicht geschafft habe oder grad nicht unterwegs war.
Ich habe hier jemanden aufgetan, der eine Ökokiste ins Haus bringt und mich da für die Regional-Variante entschieden. Von dort lasse ich mir auch gleich Eier und Milch liefern, den Rest an Bio-Milch, die ich brauche, kaufe ich dann in der zweiten Wochenhälfte. Sicherheitshalber habe ich einen Liter H-Milch im Haus, manchmal ist die gute Milch nämlich schneller leer, als ich es bemerkt habe (ich trinke selber keine Milch und bin da nicht ganz up to date). Ich versuche ein mal in der Woche auf den Markt zu gehen, dort habe ich neben gefühlten 100 Vietnamesen (die zwar sehr leckeres, aber eben konventionelles Obst- und Gemüse verkaufen) einen Stand entdeckt, der seine und damit eben regionale Waren verkauft. Natürlich bin ich gespannt, wie das im Winter aussehen wird. Aber im Moment bin ich optimistisch.
Ich backe mein Brot wieder selber. Sogar einen Sauerteig habe ich selbst angesetzt und es funktioniert wirklich ganz unproblematisch.
Im Urlaub habe ich von einem eigenen Selbstversorger-Bauernhof geträumt. Aber ich bin ehrlich. Ich schaffe es ja nicht mal, meine 50 qm Land zu bewirtschaften. Das Gärtnern macht zwar Spaß, aber nur in einem gewissen Maße. Außerdem braucht es Zeit, die ich irgendwie nicht habe. Von daher überlasse ich das Feld lieber den Leuten, die das gern machen und unterstütze sie, in dem ich ihnen ihre Waren abkaufe. Ich werde immer einen Teil bei mir anbauen, aber im überschaubaren Maße.
Im Supermarkt kaufe ich nur noch das Nötigste, sowie das, was es im Bio-Laden nicht gibt und das, wo ich (noch) nicht bereit bin, die Sachen im Bio-Markt zu kaufen.
Wie es finanziell aussieht? Da ich vorher kein Buch darüber geführt habe und auch jetzt nicht aufschreibe, was ich ausgebe, kann ich es nicht sagen. Gefühlt gebe ich nicht mehr aus. Obwohl ich fast nicht mehr auf den Preis achte. Die Kriterien sind fair gehandelt (dazu werde ich sicher nochmal was schreiben), regional, saisonal und bio. Die Menge Zusatzstoffe spielen auch eine Rolle. Ich esse und probiere viel mehr vegetarisch, ich koche wieder mehr (ein "Nachteil" wenn man so will, aber bio-fastfood ist Luxus, den ich mir so gut wie gar nicht "gönne") und leiste große Überzeugungsarbeit bei meinen Kindern. Die Große ist so alt, dass sie wirklich viel versteht und akzeptiert, die Kleine ist ja sowieso auf Krawall gebürstet und tut sich schwerer. Denn Döner, Pizza, Pommes und Fischstäbchen sind einfach die Sachen die schmecken und dass sie nicht gesund sind ist ja schließlich nicht ihr Problem. ;)

(Unter der Rubrik werde ich immer wieder was schreiben. Denn es tun sich grad sehr viele Themen auf, die mich in meiner Entscheidung bestärken.)

(1) Alles Bio

... oder was?
Unter diesem Thema möchte ich mal ein bisschen meine Gedanken zu weltverbessernden Dingen aufschreiben. ;)
Als Kind bin ich ganz unkonventienell im Osten groß geworden. Essenstechnisch hieß das, dass es das zu essen gab was der Garten oder der Handel hergab. In der Erinnerung war das sehr jahreszeitengerecht. Sprich, im Winter gab es nicht viel außer Kohl, Möhren, Kartoffeln ... dem, was gelagert werden konnte, dem was eingekocht werden konnte, und später auch noch das, was in den Frost passte. Das waren dann auch mal Beerenfrüchte im Winter. Sehr lecker als Milchshake - eine sehr schöne Kindheitserinnerung: gezuckerte schwarze Johannisbeeren gemust im Frost, und die dann zusammen mit Milch ... mhm!
Im Sommer hatten wir Gurken im Überfluss, ich erinnere mich an Butterbrot mit Gurkensalat, Schmorgurken und das immer schön im Wechsel. ;) Nein, Gurken und Tomaten, denn wir hatten das Privileg, ein Gewächshaus zu besitzen. Zu meinem Geburtstag waren die Erdbeeren reif, später dann die Birnen, die wir einkochen konnten und die es im Winter als Birnen im Blätterteig gab (auch so eine mhm-Kindheitserinnerung, wobei wir keinen richtigen Blätterteig machten, sondern einen schnellen Blätterteig mit Quark, Butter und Mehl, gefrostet gab es den zu DDR-Zeiten nicht). Südfrüchte waren Mangelware und die gab es auch nur um Weihnachten rum, auch Paprika aus Ungarn gab es hauptsächlich in Berlin (dort gab es auch öfter Bananen, im Rest des Landes eher selten und abgezählt nach Anzahl der Kinder). Wurst und Fleisch gab es beim Fleischer, wir konnten es uns auch regelmäßig leisten. Zumindest Wurst.
Da meine DDR-Erinnerungen eher verschwommen sind, ich war eben nur ein Kind, vermischt sich auch vieles mit Gehörtem und eben dem, wie man meint, dass es gewesen ist.
Nach der Wende gab es irgendwie alles. Und zu jeder Zeit. Nach der Wende war ich Teenager, Abiturient, und ich fing an, über das Leben nachzudenken. Mit der Ausbildung zur Hebamme setze so eine Art alternatives Bewusstsein ein. Ich interessierte mich für Alternativmedizin und da ich nach der Ausbildung in der Nähe von Stuttgart gearbeitet habe, wurde dieses ich nenne es mal Alternativ-Bwusstsein weiter gefördert. Reformhäuser, Bio-Läden, regionale Märkte, Alternativmediziner ... waren plötzlich zugänglich und auch völlig normal. Ich hatte Freunde, die mit dem allem aufgewachsen sind und mir diese Welt eröffneten. Ich habe Schafe beobachtet, die mit ihrem Hirten unterwegs waren, und das hat mich so beeindruckt, dass ich Wollpullover trug, lernte Socken zu stricken und meinen Kindern später Woll-Unterwäsche anzog. Ich kaufte Öko-Kleidung und begab mich auf Kindersachen/flohmärkte und zog meinen Kindern Second-Hand-Klamotten an. Ich kaufte mein Gemüse auf dem Markt und versuchte so, jahreszeitengerecht zu leben. ...
Ich überlege immer wieder, wann das alles aufhörte. Warum tat ich den Schritt zurück? Denn das alles tat ich aus absoluter Überzeugung und war und bin überzeugt, dass es mein Weg ist.
Heute vermute ich, dass es damit anfing, dass ich in die Freiberuflichkeit ging und plötzlich nur noch ein Gehalt zur Verfügung stand (was ich verdiente ging fast komplett für die Kinderbetreuung drauf). Plötzlich sah ich mich gezwungen auf etliches zu verzichten, bzw. ich dachte das wäre so. (Aber dazu später mehr.)
Bei allem Sparen muss ich sagen, dass ich meinen Kindern in der ersten Zeit immer Bio-Waren zu essen gab. Wir hatten sogar eine Zeit lang eine Bioland-Gemüsekiste. Aber je älter sie wurden, um so mehr ließ ich das schleifen. Bis zum Sommer kaufte ich im Discounter, wir aßen regelmäßig Fleisch und Wurst, mein Kühlschrank war immer voll und die Hälfte von dem Zeug wurde schlecht und flog auf den Müll. Zum Kochen hatte ich keine Zeit und keine Lust (wer kocht schon gern für sich allein?), es gab viel zu oft Fastfood oder eben kaltes Essen.
Im Grunde meines Herzens war ich damit unzufrieden. Im Sommer hatte ich dann zwei Erlebnisse die mich zum Umdenken (oder eher zum Zurückdenken) anregten.
Ich las eine  historischen Roman, wo das Essen in den Texten eine recht große Rolle spielte. Es wurde beschrieben was wann gekocht wurde, wann geschlachtet wurde (nämlich ein Mal im Jahr) und was es an Gemüse und Kräutern zu welchen Zeiten gab. Außerdem beobachtete ich beim Bauer Lange die Schweine und die Ferkel, wie sie sich im Schlamm wälzten und eben irgendwie glücklich schienen. Auf langen Fahrten (ich musste meine Tochter zwei Mal über die ganze Insel kutschieren) hab ich nachgedacht. Ich glaube nicht, dass es Gott gefällt, wie wir mit der Schöpfung umgehen. Massentierhaltung, Überdüngung der Felder, Gifte auf dem Essen ... von allem viel und billig. Da zeugt weder von Achtung vor dem Leben noch von Achtung vor der Schöpfung. Ich wollte da keine aktive Rolle mehr bei spielen.
...
(Ich teile das Ganze mal, damit es sich besser lesen lässt.)