Dienstag, 7. Juni 2011

Ich habe wirklich Besseres zu tun

... als dem großen Tochterkind seine Sporttasche hinterher zu fahren.
Warum tue ich das eigentlich? Wahrscheinlich weil es unter die Kategorie "Liebe ist ..." fällt.
(Trotzdem: So eine Zeitverschwendung!)

Ein Kind

... was einen am Morgen bei jeder "falschen" Bemerkung anmotzt, ist die Freude jeder müden Mutter.
Aber echt mal!

Montag, 6. Juni 2011

Ich habe es

... überlebt. Zwölf Stunden Dienst. Keine Geburt, aber immer ein bissel was zu tun.

Mein Fazit des heutigen Tages: Ich kann noch untersuchen, ich kann noch Nadeln in fremde Adern schieben (aua), und ich kann immer noch nicht komische CTG`s (kindliche Herztonkurven) aushalten. Die Gelassenheit meiner nach mir folgenden Kollegin hätte ich gern. Nun ja, ich kann ja noch ein wenig üben. Das Aushalten, meine ich. Ansonsten ist das Arbeiten kliniktypisch und ich frage mich, ob ich - als im Herzen Hausgeburtshebamme - das aushalten kann und vor allem, wie lang. Ich werde berichten!

Sonntag, 5. Juni 2011

Heute also

... der erste Dienst im Krankenhaus. Allein. 12 Stunden lang.

Tschakka!

(Bisher ist aber alles ruhig!)

Samstag, 4. Juni 2011

Vom Stress im Wochenbett

... kann ich auch eine Menge schreiben.

Das Wochenbett wird von den Frauen ganz unterschiedlich gelebt. Die einen zelebrieren es, die nächsten versuchen so viel wie möglich zu erledigen ... die Einen erleben es ganz bewusst, die Anderen nur so nebenbei.

Ich meinen Kursen empfehle ich den Frauen, das Wochenbett gemütlich anzugehen. Diese erste Zeit nach der Geburt ist viel zu kostbar und kurzlebig. Aber leider sehen das die Frauen anders. Was ich sehr schade finde.
Wikipedia beschreibt das Wochenbett als eine Zeit, in der sich der Körper der Mutter erholt und hormonell umstellt. Nur wenn die Frau ihrem Körper keine Chance gibt, dann wird es einfach schwierig mit dem erholen. Und dem Stillen. Und dem Rhythmus finden. Und mit der Wundheilung.
Genau das erkläre ich und erlebe: Frauen, die direkt nach dem Krankenhaus (in der Regel 3-5 Tage nach der Geburt) los stürzen um auf die Ämter zu gehen, oder einzukaufen, oder Besuche zu machen ...
Sehr anstrengend für mich ist es, wenn ich meine Besuche nach den Terminen der Frauen legen muss. Oder erleben muss, wie die Milch weniger wird, das Kind unruhig ist, ... nichts so richtig klappen mag und irgendwie das mit der Bindung von Mutter und Kind nicht so wirklich hinhaut.
Letztens hatte ich mal eine Frau, die doch wirklich erst nach 5 Wochen das Haus verlassen hat. Natürlich war sie vorher schon Draußen, mal im Garten, mal ein paar Meter laufen mit dem Kind. Aber ansonsten hat sie das Wochenbett als solches genossen. Das Kind wurde bekuschelt und gestillt. Die Mutter hat gekocht, der Mann eingekauft. Es war übrigens nicht ihr erstes Kind, es war das dritte. Das heißt, die beiden großen Geschwister mussten auch versorgt werden. Aber das hat alles gut geklappt oder wurde gut organisiert. Ich fragte die Mutter dann mal, wie sie das denn mit den ganzen Ämtern machen würde (schließlich ist das das Hauptargument aller Frauen, dass sie ja auf die Ämter - Standes-, Jugend- und Arbeitsamt - müssten). Sie lachte und verriet mir, dass es auch noch Post und Telefon geben würde. Dieses "Geheimnis" gebe ich seitdem an alle Frauen weiter, aber leider scheinen mir die Damen nicht zu glauben. Alle, aber wirklich fast alle, schleppen sich und ihre Kinder von Amt zu Amt, vom Einkaufszentrum zum Besuch, mit dem Auto, aber auch mit den Öffentlichen.
Ich erinnere mich an ein Kind, was seit dem Vorabend schrie und weinte und brüllte. Fünf Tage alt war der Kleine und die Eltern waren natürlich entsprechend hilflos. Auf meine Frage, ob denn irgendwas gewesen wäre, erzählten sie mir, dass sie am Vortag im blabla-Center gewesen wären. Inmitten des Faschingstrubels. Und auf der Autofahrt mussten sie so oft anhalten, weil der Kleine so viel geweint hätte. Das war wohl ein klassischer Fall von Reizüberflutung.

Und so werde ich wohl weiter reden und erzählen, raten und beraten. Mehr kann ich nicht tun, denn schließlich sind alle Frauen selber groß.

Ich fragte gestern

... die Frau, ob sie heute etwas vorhätte.
Frau XYZ: Nein, ich bin den ganzen Tag zu Hause.
Ich: Das ist gut.
Ich: Ich rufe Sie an, bevor ich komme. Dann können sie alles für`s Baden vorbereiten.

Heute dann:
Ich: Frau XYZ, ich bin in etwa einer halben Stunde bei Ihnen.
Frau XYZ: Oh, Frau Hebamme, könnten Sie bitte in 1,2, nein lieber 3 Stunden kommen? Wir sind grad in der Stadt.
Ich: ...
Frau XYZ: Aber es klappt alles super bei uns.
Ich: ...
Ich: Ja, dann komme ich heute Abend zu Ihnen.

aarrgghh!


(Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass die Frau vor 6 Tagen ihr Kind bekommen hat und es Draußen gefühlte 30 Grad sind.)

Da läuft das kleine Tochterkind

... doch wirklich mit zu kleinen Schuhen rum. Und sagt nix. Und merkt nix. Meine Güte! Erst als sie Sandalen suchte und fand, sah ich das Dilemma. Und das, wo ich so peinlich drauf bedacht bin, dass meine Kinder immer passende Schuhe an den Füßen haben. Mit etwas Luft vorn.
Jetzt trägt sie passende Schuhe, aber an den Sandalen kann ich sehen, dass auch diese eher knapp sind.

Wo will das kleine Kind mit den großen Füßen hin? War sie nicht erst gestern noch mein Baby?

Freitag, 3. Juni 2011

Lass die Schuhe an

... bei mir ist nicht sauber!

So sagte ich es mal zu einer Frau, die ich nicht kannte, die aber die Schwester einer Bekannten war und die ich von A nach B mitnehmen sollte.
Was mir in dem Moment recht peinlich war, dass beeindruckte diese Frau sehr. Dass ich einfach so sagen konnte: bei mir ist nicht sauber. Sie sah das als Freiheit und Offenheit an. Nun ja, was hätte ich denn sagen sollen? Es WAR ja nun mal nicht sauber.
Und wenn jetzt gleich meine Gäste kommen, dann werde ich sagen: Lasst die Schuhe an, bei mir ist nicht sauber. Und werde mich dabei frei fühlen. (Mal ganz davon abgesehen, dass wir auf der Terasse sitzen wollen und es dort sowieso besser ist, die Schuhe an zulassen.)

(Liebe S., damit dir die Dreckflusen nicht in Massen entgegenwabern hab ich wenigstens mal grob Staub gesaugt. Zumindest in der unteren Etage. ;) )

Völlig im Holunderrausch

... habe ich soeben 12 Flaschen Sirup und 14 Gläser Gelee abgekocht und abgefüllt. Jetzt klebe ich überall und leider auch meine Küche und der Fußboden.
Es riecht lecker, es schmeckt lecker ... ich denke, die Mühe hat sich gelohnt.

(Liebe S., du musst dich morgen bitte nicht so genau umschauen. Meine Zeitplanung war mal wieder der "Volltreffer". ;) )

Mittwoch, 1. Juni 2011

Die Hebammen

... sind t-online heute eine Schlagzeile wert. Die Kommentare darunter sind zwar gruselig, aber nun gut.
Es sind ja immer solche und solche unterwegs.

Im Bericht steht, dass eine Hebamme im Hamburger Geburtshaus 8-9 Euro die Stunde verdient. Für so einen Lohn würde ich gern arbeiten gehen und sicher ganz viele der Bevölkerung (vor allem hier im Osten) auch. Bei mir sind es nur 4-5 Euro netto, die übrig bleiben. Und das ist schon sehr frustrierend, vor allem, wenn man die Bruttozahlen sieht, die gar nicht übel sind. So gesehen. Mein Umsatz überrascht mich auch immer wieder, aber am Ende bleiben weniger als 50% übrig. Denn die Abgaben sind nicht nur die hohe Haftpflicht, neben KV und Steuer müssen wir auch die volle Rente zahlen. Und zwar vor der Steuer. Das sind knapp 20%, die mal so eben weg gehen. Neben allem anderen ist das immer ganz schön happig, was abgezogen wird. Das Los der Freiberuflichkeit, ich weiß.
Unterm Strich, und das sehe ich als wirkliches Hauptproblem, steht unser Verdienst in keinem Verhältnis zu dem, was wir an Verantwortung tragen. Mal von dem was wir leisten ganz abgesehen.
Als Beispiel: Ich arbeite in einem kleinen Krankenhaus als Beleghebamme. Dort werden etwa 400 Kinder im Jahr geboren. Rein wirtschaftlich gesehen, müsste das Krankenhaus die Geburtshilfe schließen. Unter 700 Geburten lohnt es sich nicht, angestellte Hebammen zu haben, denn dann wird es ein Verlustgeschäft. Die Hebammen in eben jenem Krankenhaus wollten die Schließung nicht und gingen in die Freiberuflichkeit. Sie arbeiten im Belegsystem. Dabei  haben sie sich für 12-Stunden-Dienste entschieden, was eine unheimliche Belastung ist, aber wahrscheinlich am wirtschaftlichsten (zeitmäßig gesehen).
In der Klinik müssen wir Hebammen einen Arzt hinzuziehen. Ergibt sich eine pathologische Situation, dann sowieso. Hat die Hebamme mehr Ahnung als der Arzt (was bei ungenügend ausgebildeten Assistenzärzten die Regel ist), dann haftet die Hebamme genauso für eventuelle Fehler wie der Arzt. Wir tragen also eine enorme Verantwortung. Und dafür werden wir, und das ist die einhellige Meinung aller Kolleginnen, nicht ausreichend bezahlt. Brutto vielleicht, aber Netto eben nicht.
Die Beleghebammen, die nicht, wie wir, im Poolsystem (alle arbeiten in einen Topf und der wird dann nach geleisteten Arbeitsstunden ausbezahlt) arbeiten, haben auch noch das Dilemma, dass sie nicht unendlich viele Frauen annehmen können. (Selbst wir müssen eine Kollegin rufen, wenn mehr als zwei Frauen zu betreuen sind, weil es einfach nicht anders zu bewältigen ist. Denn unser Beruf lebt von Qualität, nicht von Quantität. Je mehr Frauen ich betreuen muss, um so schlechter ist die Betreuung. Das ist auch das Problem an großen Kliniken. Wenn kleine Kliniken schließen, dann müssen die Frauen zwangsläufig an große Kliniken. Dort betreuen die angestellten Hebammen pro Dienst oft mehr als nur zwei Frauen. Überlastung und Frust sind vorprogrammiert, die Qualität der Betreuung leidet. Und nicht umsonst empfiehlt der Verband, dass auch Hebammen, die nur angestellt sind, sich noch zusätzlich versichern. Denn bei eventuellen Klagen reicht die Versicherung über das Krankenhaus nicht aus.
Auch die Freiberuflichkeit ohne Geburtshilfe ist nicht die finanzielle Lösung. Die Versicherungssumme ist zwar deutlich kleiner. Aber die Kernarbeit einer Hebamme ist die Geburtshilfe und viele Hebammen sind nicht glücklich darüber, diese aufgeben zu müssen. An Kursen verdient man nur, wenn man einen Kurs proppenvoll macht, was nicht schön ist. Für Hausbesuche nach der Geburt bekommen wir eine Pauschale, egal wie lange wir bei der Familie sind. Das ist an manchen Tagen gut, wenn ich nur noch zum wiegen hingehe und sonst nichts anliegt, aber bei Problemen kann es auch sein, dass ich mich absolut unterbezahlt fühle.
Ich weiß nicht, wie eine Lösung aussehen kann.
Vielleicht wäre es eine, wenn die Kassen mehr bezahlen würden. Ich weiß nicht, was Ärzte bekommen. Sicher wäre es gut, wenn ich da Vergleichszahlen hätte, aber da ich nicht privat versichert bin hab ich keinen Einblick in die Abrechnung.
Mir schwebt ja vor, dass es für die Versicherung irgendeinen Fond gibt. Oder eben einen Fond, um die zwar wenigen, aber immens teuren Schäden abzudecken.
Schön wäre es schon, wenn es eine Entspannung in dem Thema geben würde, damit die Kolleginnen sich wieder glücklich ihrem Beruf zuwenden können und nicht immer nur auf den Verdienst schauen müssen. Ist anstrengend, vor allem, wenn man sich dann noch mit den Kassen um Cent-Beträge streiten muss. Aber das ist ein anderes Thema.

So, jetzt ist es viel geworden hier. Manchmal fehlen mir auch die richtigen Worte. Ich will nicht jammern. Da geht es anderen schlechter, wahrlich. Ich mach meinen Job gern, auch für wenig Geld. Ich darf einfach nicht so viel über die Bezahlung nachdenken, sondern mich den Frauen widmen, dann geht das schon.

Die Hebammerei ist eben weniger Beruf als Berufung!