Donnerstag, 11. Februar 2016

Vor etwa einem Jahr

... offenbarte mir meine Ärztin, dass ich Zysten an der Niere, eine Fettleber und by the way auch noch eine verfette Bauchspeicheldrüse hatte.
Da ich mit meinem Gesundheitszustand zu dem Zeitpunkt sowieso mehr als unzufrieden war beschloss ich, das Berufliche zurück zu schrauben und mich mal nur auf mich zu konzentrieren.
Damit ich noch genug Geld für die Versicherungen bekomme, hatte ich den Plan, nur noch die Frauen zu betreuen, die ich schon kenne. Sei es aus der Kirchgemeinde, Freunde, oder eben Frauen, die ich schon mal betreut habe. Mit Kursen wollte ich auch pausieren.
Das ganze auf unbestimmte Zeit. Vielleicht ein Jahr. ...

Nun ist es in meinem Job nicht so, dass ich heute beschließe, weniger zu arbeiten und das dann morgen in die Tat umsetzen kann.
Ab etwa April habe ich erstmal damit begonnen zu lernen NEIN zu sagen. Das heißt, den Frauen, die bei mir anriefen für eine Betreuung, abzusagen.

Sehr sehr schwer. Zumindest für jemanden wie mich. Aber es fiel mir mit der Zeit zum Glück immer leichter. Schwer ist es immer noch.

Was aber bis heute geblieben ist, ich habe immer den Drang mich zu rechtfertigen. Dabei geht es keinen was an.
Aber ihr könnt euch nur schwer vorstellen, dass es wirklich schwierig ist "egoistisch" zu sein, wenn um mich rum die Kolleginnen stöhnen, weil sie einfach nur voll und voller sind mit Aufträgen, weil sie immer mehr Frauen absagen müssen, weil sie sich wie gefangen im sprichwörtlichen Hamsterrad fühlen.
"Aus gesundheitlichen Gründen" kam bei den Frauen als Info an, das haben sie gut akzeptiert und wünschten mir alles Gute. Die Kolleginnen schauten mich fragend an, saß ich doch offensichtlich gesund vor ihnen.

Vor dem Sommerurlaub merkte ich auch, dass ich mich immer mehr in Richtung Burnout bewegte.
Ich fühlte mich ständig überlastet, vergaß Termine, fühlte mich ständig irgendwie "vercheckt", war nah am Wasser gebaut und hatte immer öfter Lust, alles hinzuschmeißen.

Wirklich starten konnte ich das "Projekt" dann erst im September/Oktober. Streng genommen sogar erst im November, denn erst da hatte ich wirklich keine Termine und vor allem keine Kurse mehr.

Im September hatte ich aber schon so viel Zeit zu recherchieren, was mir gut tun könnte und erste Schritte zu tun. Ernährungsumstellung, Pläne für mehr Bewegung (also Sport ;) ), wie komme ich an meine schlechten Blutwerte ran und kann die knacken, ...

Seit Oktober gehe ich zu Mrs. Sporty, eine Art Fitnessstudio nur für Frauen, moderates Krafttraining mit Kardio-Elementen als Zirkeltraining ... und ich begann mit dem Kurzzeitfasten.

Im November habe ich erstmal viel geschlafen, eine täglicher Mittagsruhe hat mir sehr gut getan. Ich habe genäht und begonnen, das Haus etwas aufzuräumen.

Stand Heute habe ich 7 kg abgenommen.

Alles in allem habe ich ein Stück von dem geschafft, was ich mir vorgenommen habe.

Im Dezember begann das Pensum an Hausbesuchen wieder zu steigen, für Ende Februar/März erwarte ich sogar recht viel. April und Mai ist dann wieder überschaubar, aber da werde ich mit Sicherheit auch wieder Kurse machen.

Und nun? Ich fühle mich nicht wirklich erholt. Die "Pause" hat eigentlich nichts gebracht. Denn es war eben keine Pause. Es war nur ein weniger-arbeiten.

Ich fühle mich, obwohl ich wirklich weniger arbeite als noch vor ein bis zwei Jahren, und obwohl ich immer mal wieder einen kostbaren freien Tag dazwischen habe, an dem gleichen Punkt wie vor einem Jahr.
Irgendwie fühle ich immer noch nicht wirklich gesund, bin müde und überhaupt nicht belastbar.
Kleinigkeiten lassen mich heulen wie einen Schlosshund, mein optimistischer Pragmatismus ist irgendwo, aber nicht präsent. Ich verliere mich in Nichtigkeiten, vergesse viel (vor allem Frauen und Termine), ersticke im Chaos, weil ich es nicht schaffe, mich zu organisieren, scheitere an Kleinigkeiten und könnte am liebsten alles hinschmeißen.
Ich habe das Gefühl, dringend Urlaub zu brauchen, obwohl ich eigentlich nicht viel mache. Und das meine ich ernst.
Klingt so wie oben, als ich schrieb, dass ich kurz vorm Burnout stand. Nennt man diesen Zustand so?

Ich stehe vor meinem Leben und verstehe es nicht.
Warum fühle ich mich überlastet, obwohl ich es doch offensichtlich gar nicht bin?
Das macht mich irgendwie ganz kirre und ich denke schon wieder darüber nach, deutlich weniger zu arbeiten. Noch weniger?

Diesmal vielleicht richtig? Ein kompletter Ausstieg? Dafür müsste ich sicherheitshalber auch die Versicherung kündigen, sonst komme ich immer wieder in die Versuchung, doch JA zu sagen.
Wenn ich das nicht tue, wie schiebe ich mir selber einen Riegel vor?

Was hindert mich daran ein Jahr auszusetzen? Was lässt mich denken, dass ich als Hebamme nicht ersetzbar bin?

Ich gebe zu, es streichelt mein Ego, wenn sich Frauen erneut an mich wenden. Waren sie doch offensichtlich mit meiner Arbeit zufrieden.
Aber genau so verletzt es mich, wenn ich mitbekomme, dass sich eine Frau jemand anderen gesucht hat.
Und das ist nicht gut, denn eine Frau soll sich frei entscheiden dürfen, das ist mein Credo.
Warum stört es mich also?

Würde mir ein Sabbatjahr helfen?

Das war jetzt wirklich lang und wer auch immer es zu Ende gelesen hat, DANKE!
Mit tat und tut es gut, meine Gedanken mal aufzuschreiben.
Vielleicht komme ich ja irgendwann zu einem Ergebnis!

Kommentare:

KWeens hat gesagt…

Hallo,

wegen Zeitmangel - nur kurz - hast du schon mal an Depressionen gedacht? Klingt alles seeehhhr danach!
Ich wollte es auch nicht wahr haben - ist aber wohl doch so.
Wenn du magst darfst du mich auch gerne anschreiben.

Alles Gute,

Karin

Sigrid hat gesagt…

Aus bekannten Gründen sage ich: "Du nicht auch noch!"
Aber für Deine Gesundheit und Dein seelisches Gleichgewicht, wäre eine komplette Auszeit wahrscheinlich besser.

bauchundnase hat gesagt…

Sigrid, es ist weniger die Gesundheit, mehr das Seelische Gleichgewicht, was mir Sorgen macht.

Karin, da komme ich gern drauf zurück!

Anonym hat gesagt…

Hi!
Ich denke leider auch das klingt nach Depression...
Ich wollte auch nicht akzeptieren, dass mir selbst wenig Arbeit manchmal zu viel schien. Meine Therapeutin hat mir das dann ungefähr so erklärt: Eine Depression ist eine echte Krankheit wie zum Beispiel eine Grippe. Und wenn ich mit Grippe es nicht schaffe mein 'normales' Arbeitspensum durchzuziehen, dann würde es mich ja auch nicht wundern. Genauso entzieht mit die Depression Energie - und wenn ich nur halb soviel Energie wie normal habe, dann kann ich halt auch nicht mehr schaffen - auch wenn ich im gesunden Zustand spielend viel mehr hinbekommen würde.
Eine Auszeit kann sicher helfen, manchmal kann eine Aufgabe aber auch stabilisieren. Die Menge der Arbeit muss nur Deinen Kräften angepasst sein, damit Du Dich nicht ständig überfordert fühlst und genug Ruhe, Entspannung und Erholung bekommst.
Alles Gute!
Daniela

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Alles Gute auch von mir.
liebe Grüsse
Elisabeth