Mittwoch, 10. Oktober 2012

Heute kam ein Anruf

... von einer Familienhilfe. Sie bräuchte dringend eine Hebamme in der Familie. Das Jugendamt wünscht das so. Aber die Frau will nicht.
Das heißt, die erste Nachsorge im Zwangskontext. Was ich sonst noch so erfahren habe (oder was eben auch ungesagt blieb) ... lässt mich sehr, nun sagen wir: gespannt sein.

Ansonsten kann ich mich über Arbeitsmangel grad gar nicht beklagen. Und auch jede Menge Aufreg-Momente habe ich durchzuhalten. Nabelverätzende Kinderärzte, Gewichtskontrollsüchtige Kinderärzte, panische und damit die Frauen verrückt machende Frauenärzte (Kind zu klein, das wird sicher eine Frühgeburt ...), dauernd CTG-schreibende und ständig ultraschallende Frauenärzte (ihr kennt doch sicher: wer viel misst misst Mist - genau so auch hier), ... neben Frauen, die ständig den Fernseher laufen haben, im Dreck leben oder Dauerzigarette rauchen. ... Die Kombination aus allem neben der vielen Arbeit lässt mich manchmal fragen, warum ich mein ruhiges Hausfrauendasein vor drei Jahren aufgegeben habe.
Und wenn ich dann nachdenke, was ich sonst so machen könnte, dann fällt mir nichts wirklich Kreatives ein (außer vielleicht der Idee, ein mittelalterlich geprägtes Gasthaus zu führen).
Als Erstes muss ich wohl lernen, Nein zu sagen. ;)

Kommentare:

Elisabeth J.-S. hat gesagt…

Irgendwie sind unsere Berufe sich ähnlich. Ich mach grad Pause, hab nach vielen Jahren kein Tageskind, kein Pflegekind.
Die Kinder kamen aus dem Dreck, stanken nach Zigaretten, waren nicht gut ernährt, oder übergewichtig, schon mit einem Jahr ... usw.....
Ich hatte Kinder die im November im t-shirt gebracht wurden, die Mama schwanger mit Alkoholfahne etc.... momentan brauch ich eine Auszeit und weiss aber nicht was ich nun tun soll. Ich liebe meinen Beruf, aber lang nicht mehr alle Mamas....

Postpanamamaxi hat gesagt…

Ach Du Gute, wir wissen doch alle, dass es im Leben nicht gerecht zugeht.

Und Idioten gibts überall.
Als ich schwanger war und zum CTG ins KH musste, stand neben mir eine weitere Hochschwangere vor der Kreißsaaltür, die hatte ein Sixpack Bier dabei und roch nach Zigarettenqualm. Super, oder?

Ich gehörte zu der anderen Sorte lästiger Schwangerer. Mir wollten die bei beiden Kindern Panik machen und ich habe die Oberärzte genervt mit meinem "überzeugen Sie mich von Ihrer Meinung, aber bitteschön mit echten Argumenten".

Ich habe da mittlerweile eine Theorie: Dem doofen Drittel der Schwangeren wird dringend benötigte Hilfe angeboten (=Familienhebamme, Erziehungsberatung usw.), die aber nicht angenommen wird, weil sie ihre Kinder auch ohne fremde Hilfe verkorksen können.

Dem bürgerlichen Drittel (wo überdurchschnittlich viele sogenannte Spätgebärende dazuhören) wird die komplette IGEL-Liste plus "das große Ultraschallpaket mit Erinnerungs-CD" verkauft, ein bisschen Panik gemacht und am Ende mit Sectio entbunden.

Und darum seid Ihr Hebis so wichtig. Damit Ihr die Normalität reinbringt. Und ein paar unnötige Sectios verhindert, indem Ihr den Müttern ihr Selbstvertrauen zurückgebt.

Sigrid hat gesagt…

Klingt nicht gerad nach einer ruhigen Kugel. Nicht dass ich je vermutet hätte das Du eine ruhige Kugel schiebst.
Ich freue mich auf Sonnabend - auch mit verschnupftem Tochterkind.

kraehenmutter hat gesagt…

achjaaaa....naja, aber meist sind diese "zwangsbeglückten" mütter dann doch eher überrascht, wie unkompliziert so eine hebamme ist und dass die nicht nur zum meckern kommt.
ich hoffe, dass du das tatsächlich nicht soviel tun musst..;)

ansonsten bin ich stark für ein mittelalterliches gasthaus!
super idee!